Ryszard Kapuściński: Weltbürger, Journalist, Poet - Eine Hommage

Kapuscinski

"Die Freude auf der Welt ist kleiner geworden, weil einer, der sie vergrößert hat, verschwunden ist."  Philippe Lançon (Libération – Frankreich)

Der polnische Schriftsteller Ryszard Kapuściński ist am 23. Januar 2007 im Alter von 74 Jahren in Warschau gestorben. Weltberühmt wurde er durch seine Reportagen aus Afrika, aus dem Iran und aus Lateinamerika. Seine Werke wurden in dreißig Sprachen übersetzt. Er galt mehrmals als einer der Favoriten für den Nobelpreis. Er war ein Chronist des Despotismus, der Konflikte, der Not der „Dritten Welt“ und unserer Blindheit.

1932 in Pinsk, im heutigen Weißrussland geboren, erlebt er als kleiner Junge vom Himmel fallende Bomben, Ein- und Durchmärsche der Sowjets und der Deutschen, Deportationen, Hunger und Not. Die Erfahrungen seiner Kindheit haben in ihm die Empathie geweckt für alle jene, die in Armut leben müssen.
Seine ersten Lorbeeren verdiente er sich mit Inlandsreportagen, später hat er die ganze Welt bereist. Kapuściński hat 27 Revolutionen miterlebt und an verschiedenen Kriegen und Aufständen in Amerika, Asien und besonders in Afrika teilgenommen. Als Reporter sah er in dem, was anders war, vor allem das Faszinierende und wehrte sich dagegen, im "Anderen" den Fremden und Gefährlichen zu sehen. Zur eigentlichen Bewährungsprobe wurde sein langer Afrika-Aufenthalt in den 60er-Jahren. Er war als einziger Korrespondent der polnischen Nachrichtenagentur für den ganzen Kontinent zuständig. Afrika wurde für ihn eine Art zweite Heimat. Er reiste den Ereignissen nach und oft gefährdete er sein eigenes Leben, um an wichtige Informationen zu gelangen.

Ryszard Kapuściński hinterlässt ein außergewöhnliches Erbe. Er war ein Weiser, der uns  zeigte, wie man zwischen Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit unterscheidet. Er machte vor, wie man die Mechanismen der Macht entschlüsselt - und zwarjeder Art von Macht. Er war ein Übersetzer von einer Kultur in die andere und eine moralische Autorität.

In seinem Schreiben kommt eine tiefe Empörung über jegliche Form der Ungerechtigkeit zum Ausdruck. Er recherchierte fern vom Glanz der Macht und abseits von vielen seiner KollegInnen, die oft sensationslüstern über ein Thema herfielen und es ebenso schnell wieder fallen ließen. Er blieb, wenn alle gingen, und er war noch da, wenn die wirklichen Geschichten begannen.

Idee & Präsentation: Helmut Schönleitner 

Das AKKU präsentiert am 20., 27. und 28. November 2009 die Musik / Theater Eigenproduktion „Afrikanisches Fieber“ von Ryszard Kapuściński mit Hubertus Zorell, Helmut Schönleinter & AKKUart Trio.

 

Datum: 
Donnerstag, 12. November 2009 - 20:00
Eintritt: 
12 / 10 / 8